Im Wandel der Zeit...

 

Die Seebestattung zählt mit zu den ältesten Bestattungsformen und ist älter als die heute verbreitete Feuer- oder Erdbestattung. Bereits die Wikinger und andere seefahrende Völker haben ihre Toten auf einem voll ausgerüsteten Schiff den Wellen und damit ihrer gewohnten Umwelt, der See übergeben. Beisetzungen auf dem Meer waren auch zu jenen Zeiten üblich, als die Weltmeere mit Segelschiffen befahren wurden und bei einem Todesfall schon aus hygienischen, aber auch aus Gründen des Aberglaubens, der Verstorbene nicht bis zum Erreichen des nächsten Hafens an Bord verbleiben konnte. Dem verstorbenen Seemann wurde vom "Blau" (der Zimmermann) ein schlichter Holzsarg gebaut, der über eine Nacht bewacht von einem Kameraden auf dem Achterdeck aufgebahrt wurde. Anderntags wurde beigedreht und der mit Eisen beschwerte Sarg nach einer feierlichen Andacht von einem Beiboot aus dem Meer übergeben. Vor ungefähr einhundert Jahren wurde es dann Schiffsbrauch Seeleute zu bestatten, wie man es im Allgemeinen aus Kinofilmen kennt: Der Verstorbene wurde in ein Segeltuch genäht und auf einem Lukendeckel so aufgebahrt, dass die Füße der Reling zugewandt waren. Während der Kapitän vor versammelter Mannschaft eine kurze Ansprache, die mit einem Vaterunser schließt, hielt, wehte die Schiffsflagge auf Halbmast. Zum Abschluss wurde der Verstorbene, wenn möglich bedeckt von der Nationalfahne seines Heimatlandes, unter den Augen der gesamten Schiffsbesatzung über die Reling hinaus der Weite der See übergeben. In Einzelfällen können derartige Seebestattungen auch heutzutage noch auf hoher See vorkommen. Denn im Seemannsgesetz heißt es: "Ist ein Besatzungsmitglied an Bord verstorben, so hat der Kapitän für die Bestattung zu sorgen... , ist die Bestattung auf See erforderlich, so ist sie in einer würdigen Form vorzunehmen." Generell ist es aber gesetzlich nicht gestattet, einen Leichnam dem Meer zu übergeben. Das im Anschluss an eine Einäscherung dennoch eine spätere Bestattung auf See möglich ist, ist der jeweiligen gesetzlichen Regelung der einzelnen Staaten zu verdanken. In Deutschland, beispielsweise in §9, Absatz 3 des Feuerbestattungsgesetzes von 1934, wonach eine Ausnahmegenehmigung beim Ordnungsamt der Stadt eingeholt werden kann, wenn der Wille für eine Seebestattung von den Angehörigen glaubhaft gemacht wird oder eine entsprechende, persönliche Erklärung vorliegt. Diese persönliche Erklärung kann bei den entsprechenden Bestattungsinstituten, die Seebestattungen durchführen, neben anderen Informationen angefordert und dann dort für den eintretenden Fall hinterlegt werden.